
Pottermore, das erste Kapitel …
Wer noch die alte Webseite von J.K. Rowling kennt, den liebevoll nachgezeichneten Schreibtisch der Autorin mit Kaugummipapieren, Schlüsseln, Notizen und einem ab und an vorbeifliegenden Doxy, dem kommt Stil und Anmutung der nun offenen Lese-Community Pottermore vertraut vor.
Alle sind jetzt eingeladen, den Sprechenden Hut zu nehmen, bei Olivander einen Stab zu erhalten und in die Gemeinschaft der Adepten und Leser einzutreten: Schlüsselereignisse der Geschichte sind neu zu entdecken, Szenen wieder zu erleben, bislang unveröffentlichte Texte der Autorin zu lesen. Diejenigen, die die sieben Bänden und acht Filme um den heranwachsenden Zauberlehrling und seinen Kampf gegen den magischen Erzbösewicht Du-weißt-schon-wen kennen, genauso wie diejenigen Muggles, die bislang zu jung waren oder die letzten fünfzehn Jahre zwischen Bücherregalrückwand und Tapete eingeklemmt waren und die Bücher noch nicht kennen – allen steht nach einer Anmeldung der Weg nach Hogwarts offen.
Die Anmeldung zumindest ist schnell erledigt und leider – passiert erstmal gar nichts, außer einem Ärgernis. Aus Jugenschutzgründen kann man sich nämlich den eigenen Benutzernamen nur aus einer vorgegebenen, automatisch erstellten und auch noch kurzen Liste aussuchen. Nun gut. Damit ist zwar sichergestellt, dass kein Voldemort666 auftaucht und auch kein Pillermannzwerg69. Aber auch andere Online-Gemeinschaften stellen eine gewisse Namens-Angemessenheit sicher, ohne mit wirklich komischen und vor allem auch noch schwer zu merkenden Nameskrüppeln aufzuwarten. So bekommt man also Vorschläge angezeigt, die unschlau aus zwei Worten und einer Zahl zusammengeschraubt sind und alle aussehen wie ScarletSchädel172, RubinStar5611 oder WolfNifler1591. Hätten die Produzenten dem Programmierer einen potterbegeisterten Onomatologen zur Seite gestellt, wäre das ganze sicher schon nach nur einem Nachmittag viel besser geworden.

Pottermorepost
Mit der Anmeldung selbst ist jedenfalls der Zugang zur Pottermore-Welt noch nicht ganz freigeschaltet. Im Moment werden die Freigaben wohl nur nach und nach erteilt, wahrscheinlich um den Besucherandrang ein wenig zu steuern und die Technik nicht zu überlasten. Ich hatte aber bereits am nächsten Tag eine Eule mit meiner Einladung …
Und so kann es also beginnen, das Abenteuer. Bereits ganz zu Beginn der Reise in die Bücher (deren Kauf übrigens unmittelbar nach dem Einloggen empfohlen wird – okay, man soll ja parallel auch lesen, aber trotzdem …) – bereits ganz am Anfang also bekommt man Zugriff auf einen kleinen Text von Rowling über die Idee zur Heimatadresse der Dursleys, dem Ligusterweg 4 in Little Whinging, Surrey, England. Solche Randnotizen und Preziosen machen wirklich Spaß. Und wenn man nicht so anti-social ist wie ich, findet man es bestimmt auch ganz toll, direkt unter solche Marginalien aus der Autorenwerkstatt einen Kommentar posten zu dürfen oder sogar eine selbstgemalte Zeichnung!

Kleine Schwächen lassen es menscheln: "Darüber lessen"-Mouseover. (Die Katze schnurrt übrigens! Lautsprecher an!)
Ich mach mich dann mal auf den Weg in den Privet Drive. Wie gut, dass Wochenende ist UND ich eine Woche Urlaub habe …
Nachtrag: Pottermore ist in der Tat am besten als Begleitung zur Lektüre zu verwenden; im Lesefortschritt wandert man so von virtueller Szene zu Szene. Jede Szene ist wie ein Diorama aufgebaut und besteht aus Ebenen, die man durch die Pfeiltasten oder Doppelklick heranzoomen kann. Ein Klangteppich untermalt das Gesehene und schafft Atmosphäre. Über die einrahmenden Banner lassen sich zusätzliche Informationen zu Figuren, Orten, Wesen und Gegenständen aufrufen. Und natürlich gibt es noch weitere Überraschungen und Interaktionen …
Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll. Die Integration dieser Features in ein interaktives Buch, wie es sie jetzt schon für das iPad gibt, hätte mir besser gefallen, da die Aufmerksamkeit auf ein Objekt gelenkt bliebe und nicht zwischen PC und Buch hin und her wandert. Weiter im Text …